Thursday, 21 August 2014

Festival talk with Krassimira Stoyanova

18th August

After my Rosenkavalier performance of the festival I took my chances at the signing session and asked the artists if they would be available for an interview for my blog and thankfully it worked out. So I am very pleased to present the first interview on my blog with the phenomenal new Marschallin from Salzburg's new Rosenkavalier production: Krassimira Stoyanova.
I really would like to thank her from the bottom of my heart for this great chance and the very interesting conversation. Other interviews will be following during the next weeks, so here the interview:

Sie singen ja sehr viel italienisches und französisches Repertoire, also etwa Verdi oder Puccini, und nehmen jetzt das deutsche Repertoire in Angriff.  Ariadne haben Sie bereits gesungen, nun die Feldmarschallin, kommen nun mehr deutsche Rollen?
Wenn ich ehrlich sein soll, ich hätte nie gedacht, dass ich genau in das deutsche Fach so stürmisch einsteigen werde. Es kommt für mich noch eine Eva aus den Meistersingern in Bayreuth 2017. Das ist auch für mich selbst eine Überraschung, aber wahrscheinlich schaffe ich das schon.
Nach der Salzburger Marschallin sollte das doch kein Problem sein.
 Naja, das war nicht leicht, speziell der Rosenkavalier, das ist ja sozusagen fast eine Visitenkarte für jede Sängerin meines Fachs. Aber ich bin wirklich überglücklich mit der Rolle. Ich habe sehr hart gearbeitet, obwohl die Zeit für mich sehr knapp und anstrengend war, aber ich habe mir gedacht es ist wirklich eine Frage von Stolz und Würde, also muss ich das jetzt machen. Gott sei dank habe ich das geschafft.  Es kommt noch ein weiteres Strauss-Projekt für mich, aber dazu möchte ich erst einmal noch nichts sagen.
Aber man darf sich also auf mehr Strauss freuen?
Ich weiß nicht wer sich freuen wird. Strauss, das Publikum oder ich? Oder alle gemeinsam? Hoffentlich! Deshalb möchte ich noch etwas abwarten. Die Partie ist sehr schwer und ich möchte mich wirklich gut darauf vorbereiten. Es wird sowieso bald veröffentlicht.
Gibt es für Sie einen Lieblingskomponisten oder eine Lieblingsrolle?
Wissen Sie, es ist schwer zu sagen, ob eine Rolle mir liegt, so als Lieblingsrolle. Alle meine Rollen sind für mich wie meine Kinder. Ich habe keine Kinder, aber ich habe soviele Rollen, die für mich wie Kinder sind. Und eigentlich singe ich ja viel Verdi. Demnächst werde ich meine 13. Verdi-Partie singen, das ist Aida. Das wird in Rom unter Maestro Muti sein und später auch in München. Wenn ich so überlege ist Verdi vielleicht der Komponist bei dem ich mich am meisten wohlfühle.
Worauf achten Sie wenn Sie eine neue Rolle angeboten bekommen bzw. studieren?
Das ist fast wie in der Athletik, denn es gibt ja Leichtathletik und schwerere Disziplinen, wie Gewichtheben etwa. Wenn ein Athlet nur 70 Kilo wiegt, darf er natürlich nicht 300 Kilo Gewichte stemmen. Das ist im Gesang auch so. Ich muss sehen, ob die Partie nicht so ein „Übergewicht“ für mich ist, sondern genau für meine Stimme, sozusagen nach meinem Maß, geschneidert ist.
Wie stehen Sie zur Gattung Lied? Strauss‘ vier letzte Lieder etwa haben Sie bereits gesungen. Dem Liedgesang wird ja oft eine der Stimme wohltuende Wirkung nachgesagt. Können Sie das bestätigen?
Ja, ich liebe Lieder. Wissen Sie, Lieder sind wie kleine Monologe. In diesen Monologen müssen wir eine ganze Welt zeigen, eine Geschichte erzählen und das ist nicht einfach. Es gibt kein Kostüm, keine Bühne, kein Dekor. Alles dreht sich nur um den Gesang und die Geschichte, die darin passiert. Es ist beinahe als wäre man nackt. Wenn ich eine längere Zeit an Liedern arbeite, dann fühlt sich die Stimme wie neu. Es ist wie in einem Labor, alles ist sauber und geputzt, fast wie eine Stimm-kur.
Wir haben bereits darüber geredet, dass Sie oft mit Verdi in Verbindung gebracht werden. Was denken Sie macht Verdis Musik so packend und spannend?
Diese semplicità, dieser einfache Kontakt. Verdi war so genial, bei ihm ist alles so einfach, direkt und extrem berührend. Gerade in diesem Moment läuft im Festspielhaus Trovatore, nehmen wir also dieses Beispiel. Da folgt ein Hit dem anderen, jede Arie ist so berührend, jede Chorszene ist so berührend, aber wieso eigentlich? Weil das so einfach Melodien sind, die aber so spontan  , von der Seele und von Gott gekommen mit diesen tollen Harmonien und natürlich ist die Musik auch so grandios mit dem Text verbunden. Und apropos, das finde ich bei jedem genialen Komponisten so interessant: die Verbindung Melodie und Text. Das macht eigentlich das Gesamte aus.
So wie Wagners Gesamtkunstwerk etwa.
Genau, ohne den Text wäre die Melodie so leer und ohne die Melodie wäre Text einfach sehr schwach.
Haben Sie ein sängerisches Vorbild?
Ich glaube jeder Sänger versucht einfach 100% von sich zu geben. In all seinen Vorbereitungen Kunst zu machen, was ja sehr schwer ist und viel Arbeit bedeutet. Ich denke für uns ist es heute sehr leicht ein Vorbild zu haben. Wir müssen nur auf einen Knopf eines Gerätes drücken oder im Internet schauen und schon haben wir Maria Callas, Mirella Freni, Maestro Muti…
Oder Krassimira Stoyanova.
(lacht) Dankeschön. Es ist so einfach diese Aufnahmen zu hören, aber das ist auch gefährlich. Ich frage mich, woher etwa eine Rosa Ponsell gewusst hat, wie sie Traviata oder Carmen singen soll. Das bedeutet also, dass wir sehr streng mit uns sein müssen und zwischen den Zeilen der Partitur lesen müssen. Es steht alles in der Musik, denn der Komponist oder Poet hat alles schon geschrieben, wir müssen es einfach nur lesen und ausarbeiten.
Was halten Sie beim Singen für wichtig? Damit wären wir ja auch schon wieder bei einem alten Thema: Prima la musica oder prime le parole?
Nun, für mich ist es wirklich sehr interessant diese Verbindung zwischen Musik und Wort zu sehen. Ich wiederhole mich vielleicht, aber es ist wirklich wahr. Die großen Komponisten haben ihre ganz besonderen Harmonien nur deshalb gefunden, weil das Wort auf Sie gewirkt hat. Wahrscheinlich ist also erst die Poesie – es steht ja auch in der Bibel: „Zuerst war das Wort“ – und diese Poesie bzw. das Wort hat eine sehr starke Energie. Ohne diese Energie könnten wir damit nichts anfangen. Selbst ohne das Wort  direkt auszusprechen haben wir diese Energie im Gehirn, nicht wahr?
Viele Leute meinen ja, dass die Anforderungen an junge Sänger heutzutage viel höher sind als früher. Wir haben bereits über das Problem der Aufnahmenvergleiche gesprochen. Wie sehen sie das, ist es heute wirklich schwerer?
Es gibt einfach soviele Sänger heute. Es sind tausend, abertausende und ich weiß nicht wie viele es früher waren, aber sicher weniger als heute. Für junge Sänger ist es auf jeden Fall sicher nicht leicht heute, aber man darf auch nicht vergessen, dass man zuallererst einmal Talent braucht. Talent und dann dieses Feuer von Innen – il fuoco – ohne welches es nicht schaffbar ist. Wir müssen ein bisschen verrückt sein, etwas krank aus Liebe zum Gesang. Diese noble Krankheit hilft allerdings auch sehr und ich denke jeder hat seine Chance, aber zuerst muss man natürlich auf diese vorbereitet sein.
Was denken Sie über das Gesangsstudium allgemein?
Das ist eine wichtige Sache, sehr wichtig sogar. Die Sänger müssen viel wissen und zwar nicht nur musikalisch, sondern ein breites Spektrum. Kunstgeschichte, Musikgeschichte, wenn sie möchten auch Chemie oder Physik, denn das tut gut. Dadurch kann man sich einfach viel erklären und davon kommt, meiner Meinung nach, auch die Weisheit. Wenn ein Sänger jung ist hat er viel Kraft und jugendlichen Eifer, was einfach toll ist, aber es gehört auch eine gewisse Reife dazu. Man kann ja auch jung UND reif sein. Viele Leute sterben ja, Verzeihung wenn ich das so sage, alt und unreif und das muss ja nicht sein. Ein weiser Mensch hat einmal gesagt: Wer aufhört sich zu entwickeln ist bereits tot.
Unterrichten Sie selbst? Finden Sie es wichtig beispielsweise Meisterklassen zu geben?
Ja, das macht mir erstens Spaß, weil ich gerne helfe und zweitens gefällt es mir zu verstehen, wo das Problem liegt. Ich habe gerne aktive intelligente Leute vor mir und mit ihnen zu arbeiten macht mir große Freunde und gibt mir viel Energie.
Ihr Terminkalender ist ja wirklich brechend voll, was kommt in Zukunft  neben Meistersingern und Aida noch auf Sie zu?
Ich werde auf jeden Fall keine Azucena singen (lacht). Nein, Spaß beiseite, es kommt wahrscheinlich noch eine weitere Verdi-Partie, eine Mathilde in Wilhelm Tell, Manon Lescaut wird kommen und noch viele andere unglaublich schöne Sachen.
Was verbinden Sie mit den Salzburger Festspielen?
Ach, ich habe 2003 hier zum ersten Mal gesungen als Antonia in Hofmannstals Erzählungen in der wunderschönen Inszenierung von David McVicar. Leider fand die Presse die Produktion so kitschig, dass die Wiederaufnahme zwei Jahre später nicht stattfand, was sehr schade war. Sonst verbinden mich mit Salzburg viele schöne Konzerte,  jetzt natürlich auch der neue Rosenkavalier und auch die neue Strauss-Serie in ein paar Jahren.
Auch in Salzburg?
Ja genau, aber das ist eben noch nicht ganz offiziell.
Der neue Rosenkavalier hier in Salzburg hat sowohl von der Presse als auch vom Publikum großes Lob und Anerkennung erhalten, nicht zuletzt wegen ihrem bahnbrechenden Debut als Marschallin. Wie erleben Sie diesen Jubiläums-Rosenkavalier?
Ich bin wirklich überglücklich, genau in diesem Jahr, dem Strauss-Jahr, als Bulgarin diese Rolle zu singen, die ja sozusagen ein Heiligtum für das deutschsprachige Publikum ist, welches am besten von einer österreichischen, deutschen oder vielleicht noch amerikanischen Sängerin gesungen wird. Umso mehr freut es mich, dass ich mit dieser Rolle vom Publikum so freundlich aufgenommen wurde. Auch weil es ja früher eine andere bulgarische Sängerin gegeben hat, die die Marschallin unter Karajan sehr erfolgreich gesungen hat: Anna Tomowa-Sintow. Und deshalb bin ich wirklich stolz, dass ich diesen Weg sozusagen weitergehe. Noch dazu ist es wirklich lustig, wenn die Leute mich auf der Straße fragen: „Sind Sie die Marschallin?“ und ich antworte „Ja, ich bin die Marschallin“. Es ist beinahe als hätte ich einen neuen Beruf, als Marschallin (lacht).
Wie sehen Sie die Figur der Marschallin und wie liegt Ihnen diese Rolle stimmlich?
Ach, stimmlich perfekt finde ich, obwohl sie schon sehr anstrengend ist. Viele Stellen liegen in der Mittellage, nicht in den schönen Registern der Sopranstimme, sondern etwas tiefer. Ich glaube das hat auch einen Sinn: er wollte keine zu blühenden Töne, sondern mehr Charakter. Einfach eine reife Frau ohne viele Allüren. Die Marschallin ist eine sehr interessante Figur, sehr klug, sehr intelligent. Wissen sie, die Marschallin ist eigentlich eine sehr moderne Frau. Wenn man denkt wer diese Frau ist. Sie kam aus dem Kloster und wurde verheiratet. Schrecklich, nicht wahr?  Aber ist sehr speziell und  diese Geschichte mit Octavian zeigt ja wie nobel und selbstlos sie ist.
Und zu guter letzt, Ihnen wurde ja mit Günther Groissböck ein ganz neuer Typ von Ochs zur Seite gestellt, was halten Sie von dieser Deutung?
Ja, ein Macho! Wunderschön eigentlich. Ich finde Günther macht daraus einen sehr interessanten Charakter. Nicht bloß einen alten, eindimensionalen, dicken Trottel, sondern einen frechen, gutaussehenden Macho mit viel Selbstbewusstsein. Das ist einfach schick und passt wirklich wunderbar.

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